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Auszeichnung tür einen weitgereisten Findling
Schelklingen Laiz, 1. Juli 2020 - Der Erratische Block bei Sigmaringen-Laiz ist alles andere als ein unscheinbarer Gesteinsbrocken am Wegesrand. Er ist ein Botschafter aus der Vergangenheit und erzählt viel über die Landschaftsgeschichte der Schwäbischen Alb. Am 7. Juli 2020 wird er Geopoint im UNESCO Global Geopark Schwäbische Alb.

ErratischerBlock 2020Wenn man den Premiumwanderweg "Kloster-Felsenweg" im Donautal bei Laiz entlangwandert, stößt man beim Abstieg von der Ruine "Gebrochen Gutenstein" an einer Wegkreuzung auf einen auf den ersten Blick unscheinbaren Stein. Erst bei näherem Hinsehen erkennt man: Dieser Gesteinsblock sieht ganz anders aus als die Kalksteine, die man sonst von der Alb kennt. Er gibt Rätsel auf.

Die verwitterte Oberfläche ist dunkel, unregelmäßig gefärbt und seltsam streifig. Geologen nennen solch ein Gestein "Paragneis ", ein Umwandlungsgestein (Metamorphit). Es entsteht unter hohem Druck und Temperaturen und bildet sich nur, wenn Sedimentgestein in größere Tiefen versenkt wird. Das geschieht z.B. bei umfassenden Gebirgsbildungsprozessen wie der Alpenbildung. Die Gesteine der Schwäbischen Alb wurden im Laufe der Zeit gehoben und ein wenig nach Südosten gekippt, jedoch nicht gefaltet und in die Tiefe versenkt. Deshalb kann dieses Gestein nicht von der Schwäbischen Alb stammen. Aber wie kam der Block hierher?

Als natürliche Ursache gibt es nur eine Erklärung: durch einen Gletscher. Das sich in der Riss-Kaltzeit ausbreitende Eis hat diesen Felsbrocken in den Alpen umschlossen und den ganzen weiten Weg bis in die Gegend um Sigmaringen gebracht. Als sich der Rheingletscher wieder zurückzog und das Eis schmolz, hat er ihn behutsam abgelegt. Seit über 300.000 Jahren liegt er nun schon dort und zeigt heute noch an, wie weit sich das Eisschild des Rheingletschers bis auf die Schwäbische Alb erstreckt hat.

"Auch auf solche Orte, die man beim Vorbeigehen vielleicht übersieht, wollen wir aufmerksam machen. Sie erzählen die Landschaftsgeschichte der Schwäbischen Alb. Aus diesem Grund zeichnen wir heute diesen Geopoint aus. Die Geopoints navigieren nationale und internationale Besucher zu den geologischen Geheimtipps der Schwäbischen Alb", erklärt Christoph Heneka (stellvertretender Geopark-Vorsitzender und Dezernent im Zollernalbkreis). Stefanie Bürkle (Landrätin Sigmaringen) freut sich: "Mit dem Erratischen Block haben wir, neben den Erzgruben Veringenstadt, nun den zweiten Geopoint im Landkreis Sigmaringen. Schön, dass es der Geopark ermöglicht, in unsere erdgeschichtliche Vergangenheit einzutauchen."

Besucherlenkung durch Geopoints
Geopoints sind wichtige Komponenten im Besucherlenkungskonzept des Geoparks. Sie kennzeichnen Geotope oder Objekte, an denen die Erdgeschichte der Schwäbischen Alb erlebbar wird. Mittelfristig plant der UNESCO Geopark Schwäbische Alb, Hundert Geopoints auf der Schwäbischen Alb auszuweisen. Dazu werden vor Ort Infotafeln in Deutsch und Englisch aufgestellt. Auf der Website des Geoparks unter www.geopark-alb.de gibt es weiterführende, mehrsprachige Infos, die per QR-Code abgerufen werden können.
Zum Geopark-Netzwerk gehören außer den Geopoints auch 27 Infostellen.